Öffnung des Tiefenbachs in der Altstadt Bernkastel
Die Stadt Bernkastel-Kues plant die Öffnung des Tiefenbachs im Bereich der Römerstraße und der Burgstraße. Auf einer Länge von rund 330 Metern soll ein Teil des bislang unterirdisch geführten Bachwassers künftig wieder sichtbar durch den historischen Straßenraum fließen. Vorgesehen ist eine offene Natursteinrinne, die sich gestalterisch in die vorhandene Materialität der Altstadt einfügt.
Mit dem Projekt verbindet die Stadt mehrere Ziele: Der stark versiegelte Straßenraum soll ökologisch und gestalterisch aufgewertet, die Aufenthaltsqualität verbessert und Wasser als natürliches Element wieder stärker im Stadtbild erlebbar werden. Gleichzeitig kann die offene Wasserführung durch Verdunstungskühlung einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas insbesondere an heißen Sommertagen leisten. Die Machbarkeitsstudie sieht darüber hinaus positive Effekte für die Belebung von Burg- und Römerstraße sowie für Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus.
Von der Machbarkeitsstudie zur Umsetzung
Grundlage für die weitere Planung ist eine Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros Reihsner. Darin wurden die technische Umsetzbarkeit, unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten sowie die wasserrechtlichen, verkehrlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen untersucht. Auch die Belange der Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und Unterhaltung wurden berücksichtigt. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante offene Wasserführung technisch grundsätzlich umsetzbar ist.
Die Erstellung der Machbarkeitsstudie wurde über das LEADER-Programm „Innenstädte der Zukunft“ mit 70 Prozent gefördert. Sie bildet die fachliche Grundlage für die nun folgende Planung und Umsetzung der Maßnahme.
480.000 Euro Förderung für die Umsetzung
Die bauliche Umsetzung wird im Rahmen des KfW-Programms 444 „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ gefördert. Bei einem beantragten Gesamtinvestitionsrahmen von rund 600.000 Euro brutto einschließlich Planungskosten erhält die Stadt Bernkastel-Kues einen Zuschuss von 480.000 Euro. Damit werden 80 Prozent der vorgesehenen Kosten über das Förderprogramm finanziert.
Geplant ist eine technische Natursteinrinne in Anlehnung an die bestehende Gestaltung des historischen Straßenraums. Wo dies möglich ist, sollen vorhandene Natursteine aus der bestehenden Straßenentwässerung wiederverwendet werden. Ergänzend sind punktuelle, altstadttaugliche Pflanzmaßnahmen vorgesehen.
Wasser als Erlebnis im öffentlichen Raum
Neben den ökologischen und städtebaulichen Effekten spielt auch die atmosphärische Wirkung von Wasser eine wichtige Rolle. Fließendes Wasser belebt den öffentlichen Raum, schafft neue Wahrnehmungs- und Aufenthaltsqualitäten und kann gerade in dicht bebauten und stark versiegelten Altstadtbereichen zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Die Machbarkeitsstudie bestätigt insbesondere die positiven Effekte der Verdunstungskühlung für Burg- und Römerstraße.
Gleichzeitig bietet das Projekt die Chance, den öffentlichen Raum stärker aus der Perspektive von Kindern und Familien zu gestalten. Sichtbares und zugängliches Wasser schafft einen unmittelbaren Erlebniswert und macht natürliche Zusammenhänge mitten in der Stadt erfahrbar. Die offene Wasserführung kann damit – unter Berücksichtigung der notwendigen Sicherheits- und Barrierefreiheitsanforderungen – zu einem niedrigschwelligen Erlebnisort für Kinder werden.
Gerade in der historischen Altstadt, deren Angebote und öffentlicher Raum bislang stark durch die Bedürfnisse erwachsener Gäste und Besucher geprägt sind, entsteht so ein zusätzliches Element, das auch Familien anspricht. Die Maßnahme ergänzt damit die Bestrebungen der Stadt, Bernkastel-Kues insgesamt kinder- und familienfreundlicher zu gestalten und öffentliche Räume stärker für unterschiedliche Generationen nutzbar und erlebbar zu machen.
Mit der Öffnung des Tiefenbachs verbindet die Stadt Bernkastel-Kues somit Klimaanpassung, ökologische Aufwertung, Stadtgestaltung und Familienfreundlichkeit in einem gemeinsamen Projekt. Der bislang weitgehend unsichtbare Tiefenbach soll wieder zu einem wahrnehmbaren Bestandteil der Altstadt werden und einen neuen Akzent für die langfristige Entwicklung von Burg- und Römerstraße setzen.

